Seit 2025 unterscheidet die ISO 9806 zwischen PVT-Kollektoren und PVT-Luft-Sole-Kollektoren. Was das für Auslegung, Winterbetrieb und Flächenbedarf bedeutet — anhand von Klimakammer, 18-monatigem Feldtest und Systemsimulation.
Eine genormte Klasse, kein Marketingbegriff
Bis 2025 hieß beides gleich: PVT-Kollektor. Seither definiert die ISO 9806:2025 den PVT-Luft-Sole-Kollektor als eigene Klasse, und das Kriterium ist messbar — ein Wärmedurchgangskoeffizient von mindestens 30 W/(m²·K), bestimmt bei einer Anströmgeschwindigkeit von 1,5 m/s.
Der U-Wert beschreibt in diesem Zusammenhang, wie gut der Kollektor Wärme mit der Umgebungsluft austauscht. Je höher er ist, desto näher folgt die Soletemperatur der Lufttemperatur — und desto besser arbeitet die Wärmepumpe. Anders als in der Bauphysik ist ein hoher U-Wert hier also erwünscht.
Damit wird unterscheidbar, was vorher in einen Topf fiel: klassische PVT-Kollektoren, die meist mit einer zweiten Wärmequelle betrieben werden — und PVT-Luft-Sole-Kollektoren, die eine Wärmepumpe allein versorgen können. SOLINK erfüllt die Kriterien dieser Klasse.
Die Unterseite entscheidet
Der Unterschied zwischen den Bauarten liegt in der Fläche zur Luft. Gemessen wurden: flache Unterseite rund 16 W/(m²·K), berippte Unterseite bis 27, Lamellen-Unterseite als Luft-Sole-Ausführung 34. Nur die letzte Bauart überschreitet die Normschwelle.
Der Grund ist geometrisch. Ein flächiger Wärmeübertrager auf der Modulunterseite überträgt Wärme gut zwischen Sole und PV-Laminat, nimmt aber entsprechend seiner Fläche wenig Wärme aus der Umgebungsluft auf. Erst eine Lamellenstruktur vergrößert die luftberührte Fläche auf bis zum Achtfachen der PV-Fläche. Damit wird die Umgebungsluft zur eigentlichen Wärmequelle und liefert hohe Wärmeerträge auch nachts, wenn die Sonne nicht scheint.
Winterbetrieb: Ober- und Unterseite getrennt betrachten
Im Winterbetrieb entzieht die Wärmepumpe dem Kollektor Wärme, während die Sonne wenig oder nichts beiträgt. Was dann passiert, wurde in der Klimakammer der Hochschule Nordhausen an mehreren Kollektoren unter gleichen Bedingungen untersucht.
Oberseite (PV-Fläche)
Beim flachen PVT-Kollektor ist die PV-Fläche nach rund zwei Stunden geschlossen vereist. Das mindert den Stromertrag, und aus kondensierender Feuchte können sich geschlossene Eisplatten bilden, die beim Abtauen vom Dach abrutschen können.
SOLINK bildet auf der Oberseite deutlich weniger Eis: Die Schicht bleibt dünner, weil sich das Eis auf eine größere Fläche verteilt und die Sole-Leitungen durch die Lamellen laufen, sodass die Wärme überwiegend aus der Luft statt aus dem Modul gezogen wird. Bauarten mit kleiner Luft-Wärmeübertragerfläche müssen das PV-Laminat zwangsläufig stärker abkühlen, und dann friert die Oberseite zu, was die Stromerträge verringert.
Unterseite (Wärmeübertrager)
Auf der Unterseite bildet sich bei jedem Kollektor Eis. Beim Lamellen-Wärmeübertrager setzt es sich an den äußeren Kanten ab; weiter innen kommt bereits getrocknete Luft an. Entscheidend ist die Auswirkung auf die Leistung: Im 18-monatigen Außentestfeld des IGTE (Universität Stuttgart) mit neun SOLINK-Kollektoren lag die Reduzierung des Wärmeübertragungsvermögens durch Eisbildung unter 5 %. Die große Fläche wirkt als Reserve.
Vergleich mit der Luft-Wärmepumpe
Der Unterschied zum Außengerät einer Luft-Wärmepumpe ist konstruktiv. Dort liegen die Lamellen 2 bis 4 mm auseinander, und ein Ventilator schiebt permanent Außenluft hindurch. Bei feuchtem Wetter knapp über null vereist der Wärmeübertrager so schnell, dass regelmäßig abgetaut werden muss — Nutzer berichten von Abtauvorgängen alle 30 bis 90 Minuten. Jeder kostet Energie und unterbricht die Wärmelieferung, was sich in der Jahresarbeitszahl niederschlägt.
SOLINK arbeitet mit rund 10 mm Lamellenabstand und ohne Ventilator. Bei Paralleldach-Montage ist kein Enteisungsvorgang nötig. Hinzu kommt: Das System arbeitet geräuschlos und benötigt keine Aufstellfläche im Garten.
Flächenbedarf und Auslegung
In der Systemsimulation ohne Vereisungseffekte erreicht ein flaches PVT-Feld mit 34 m² dieselbe Jahresarbeitszahl wie ein PVT-Luft-Sole-Feld mit knapp 13 m². Bei einer kleineren Referenz gilt dasselbe Verhältnis: Für die Jahresarbeitszahl, die der Standard-PVT-Kollektor bei 24 m² erreicht, genügen rund 10 m² PVT-Luft-Sole-Fläche.
Das sind bis zu 60 % weniger Fläche — und zwar bevor die Vereisung berücksichtigt ist, die vor allem flache Kollektoren trifft. In der Praxis fällt der Abstand daher eher größer aus.
Für die Auslegung gilt: Das empfohlene Flächenverhältnis liegt bei 2 bis 2,4 m² Kollektorfläche je kW Heizleistung der Wärmepumpe (B0W35). Eine typische Dimensionierung für ein Einfamilienhaus liegt damit bei 15 bis 20 m².
Wann welche Bauart
Klassische PVT-Kollektoren sind dort sinnvoll, wo ohnehin eine zweite Niedertemperaturquelle vorhanden ist — etwa zur Regeneration von Erdsonden. Wo diese fehlt, muss der Kollektor die Wärmepumpe allein versorgen, und dafür ist der U-Wert das entscheidende Kriterium.
PVT-Luft-Sole-Kollektoren erschließen damit Gebäude, bei denen weder Erdsonden noch ein Außengerät möglich sind: verdichtete Stadtlagen, Sanierungen, Grundstücke ohne Bohrgenehmigung, Nachbarschaften mit Schallauflagen.
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